Baseballhandschuhe sind fast genauso alt wie das Spiel Baseball selbst
Nähere Informationen dazu unter „Geschichte des Baseballs“. Es gibt heutzutage Dutzende Marken und Hunderte unterschiedlichster Modelle, du kannst dir einen Baseballhandschuh in einem Spielwarengeschäft für 15 Euro kaufen, aber dir auch, für mehrere hundert Euro, einen eigenen perfekt sitzenden Handschuh anfertigen lassen.
Geschichte
Die Geschichte um die wohl prägendste Ausrüstung fing 1869 in Cincinnati an. Der Catcher, der Red Stockings, ließ sich von einem befreundeten Sattler den ersten Handschuh anfertigen und war damit seiner Zeit weit vorraus. Die Handschuhtragenden Spieler wurden von den Zuschauern ausgelacht und als Weicheier abgetan. Sehr schnell machte folgender Spruch die Runde: “Real Men Don’t Wear Gloves”. Dieses Image steigerte Charles Waite, Spieler aus St. Louis, noch, in dem er sich im Jahr 1875 dünne, hautfarbende Handschuhe, vergleichbar mit heutigen Rennfahrerhandschuhen, anzog mit der Absicht das Publikum zu erheitern.
Ab 1879 trugen immer mehr Feldspieler Handschuhe, auch wenn sie sich damit weiterhin lächerlich machten. Diese frühen Handschuhe ähnelten allerdings mehr den heutigen Batting Gloves. Mitte von 1880 wurde der Pitch erstmals von oben ausgeführt und die Catcher trugen vermehrt Handschuhe, um ihre Hände zu schützen. Sie waren genauso geformt wie die ersten Fielding Handschuhe, waren aber stärker gefüttert. Nachdem die Catcher immer seltener über Schmerzen klagten, fingen, ab 1890, die Spieler an den Handschuh zu akzeptieren und probierten in Folge dessen etliche Materialien aus und es stellt sich schnell heraus, dass Leder am besten geeignet war. Auch die Baseballhandschuhe nahmen langsam die Geatalt an, die wir von den heutigen Handschuhen gewohnt sind.
1912 führte die Rawlings Sporting Goods Company den “Sure Catch” Handschuh ein. Dieser neue Handschuh war der erste einteilige Handschuh mit Nähten für die einzelnen Finger. Dem Fuß einer Ente ähnelnd, wurde der Handschuh von den Spielern schnell durch Mundpropaganda überall bekannt. 8 Jahre später schlug Bill Doak, Pitcher aus St. Louis, der Firma Rawlings vor, ein gewebtes Netz zwischen Daumen und Zeigefinger einzubauen. Seit dem ist dieses beim Handschih nicht mehr wegzudenken.
In den letzten hundert Jahren haben sich die Handschuhe weiterentwickelt, aber basieren immer noch auf die Grundideen von einst und was keiner für möglich gehalten hat: “Real Men wear Gloves!“.
Konstruktion
Heutige Handschuhe haben die unterschiedlichsten Eigenschaften, sie sind speziell auf die verschiedenen Positionen optmiert. Alle Handschuhe haben aber mehr oder weniger einen ähnlichen Aufbau.
Pocket (Tasche)
Die Größe der Tache hängt von der Fielding-Position ab. Flache Taschen erleichtern es dem Infielder, den Ball schneller aus dem Handschuh nehmen zu können, wogegen tiefere Taschen für den Outfielder gedacht sind, um Fly-Balls sicher zu fangen.
Webbing (Netz)
Das Netz zwischen Daumen und Zeigefinger. Die unterschiedliche Arten des gewebten Materials sind wieder auf die Positionen abgestimmt, zum Beispiel bevorzugen Pitcher ein geschlossenes Webbing, damit der Batter den Ball im Handschuh nicht sehen kann. Outfielder und Third Baseman nutzen die extra Verstärkung des geschlossenen Webbing, während Second und Shortstop eher mit netzartigen Webbings spielen.
Backs (Rückseite)
Es gibt zwei Arten der Rückseiten, geöffnet (conventional) oder geschlossen (fastback). Für welcher Rückseite man sich entscheidet, hängt hauptsächlich vom der persönlichen Präferenz ab, aber auch hier gibt es wieder Vorteile für die verschiedenen Postionen. Second and Short bevorzugen die „conventional“ Backs, weil sie dem Handschuh etwas mehr Flexibilität geben, während Outfielder mehr die fastback Form mit einem kleinen Loch für den Zeigefinger nutzen, um beim fangen eines Flyball mehr Unterstützung zu haben.
Padding (Fütterung)
Die stärke der Fütterung der Tasche hängt ebenfalls von der gespielten Position ab. Der Handschuh des Catchers ist extrem stark gefüttert um die Würfe des Pitchers sicher zu fangen. Einige Handschuhe sind auch am Handgelenk gefüttert, um die Bequemlichkeit beim Tragen zu erhöhen.
Materialien
Bei den meisten Baseballhandschuhe ist Leder die erste Wahl, denn Leder bietet den besten Komfort und es gilt – je besser das Leder desto besser der Handschuh. Viele Handschuhe werden aus mit chemikalien behandelten Leder hergestellt. Diese Methode erhöht die Haltbarkeit und erleichtert das so genannte „Breaking“ – das Spielbarmachen. Am billgsten sind Handschuhe aus synthetische Materialien, sie sind dafür oft weniger haltbar, aber ebe auch ein optimaler Einstiegshandschuh für Kinder.
Handschuhe für die verschiedenen Positionen
Catcher

Extra verstärkte Handschuhe ohne einzelne Fingernähte mit extra verstärkten Rändern und einer tiefen Tasche um die Pitches sicher zu fangen und wenn möglich Passed-Balls zu verhindern.
First Base

Der Handschuh hat ebenfalls keine einzelnen Fingernähte und weniger Fütterung als der Catcher Handschuh, ist dafür aber länger als die anderen Handschuhe, um das fangen der Würfe ans First Base zu erleichtern. Die Tasche eines First Base Handschuhes ist nicht sehr tief um den Ball schnell wieder werfen zu können.
Infield

Der Infield Handschuh ist mit 5 Fingern und einer flachen Tasche versehen. Eine Jugendgröße liegt zwischen 9 – 11 Zoll und Erwachsene bei 10 1/2 bis 11 1-/2 Zoll. Der Second Baseman sollte kleinere Handschuhe tragen, um den Ball nach dem Fielden schneller werfen zu können. Der Short-Stop sollte einen größeren Handschuh nutzen, um auch Grounders fielden zu können, während der Third-Baseman einen großen Handschuh für schnelle Linedrives braucht.
Outfield

Ein Outfield Handschuh für Erwachsene ist normalerweise zwischen 12 bis 12 1/2- Zoll groß, hat eine tiefere Tasche um Flyballs fangen zu können. Der Outfield-Handschuh ist größer als die Infield-Handschuh um die Fangreichweite des Armes zu erweitern.
Breaking the Glove (Leder aufweichen und Formen)
Es gibt verschiedene Methoden deinen Handschuh zu “Breaken”, und jede Methode hat ihre eigenen Charakteristika. Manche schwören darauf, ihren Handschuh mit Rasiercreme einzuschäumen, andere legen ihn in eine Wanne mit kaltem Wasser. Manche Eltern überfahren die neuen Handschuhe ihrer Kinder mit dem Traktor, aber die am meisten genutzte Methode ist das einlegen eines Baseballs und zusammenschnüren. Diese Methode läßt zwar das Leder weicher werden, aber der Handschuh kann sich nicht indviduell deiner Hand anpassen. Die ideale Methode für das “Breaken” ist relativ simpel, du spielst einfach mindestens 20 Minuten pro Tag mit dem neuen Handschuh. Das macht ihn nicht nur weich, sondern so passt er sich auch am besten der eigenen Hand an und nebenbei erhöhen 20 Minuten Training pro Tag auch das eigene Können.
Der beste Rat, den ich geben kann, ist der Gebrauch von etwas Öl, Vaseline oder Sattelseife um den Handschuh einzureiben, dabei gilt – mehr Öl macht den Handschuh nicht weicher.
Den Handschuh in kaltes Wasser zu legen ist nicht unbedingt empfehlenswert, denn Wasser kann das Leder austrocknen und brüchig machen. Wenn man es ganz eilig haben sollte, kann man den Handschuh bei 200 Grad im Backofen für ca. 10 Minuten backen Dabei aber immer auf den Handschuh achten und keinesfalls versuchen, das in der Mikrowelle zu tun!!!
Das Formen des Handschuhs mit Hilfe eines Balles.
Man legt einen Baseball in den Handschuh, umwickelt ihn mit Schnüren und klemmt ihn am besten für einen Tag irgendwo ein. Infielder sollten den Ball im unteren Handschuhbereich und Outfielder weiter im oberen Bereich einlegen.
Pflege des Handschuhs
Die richtige Pflege des Handschuhs verlängert die Haltbarkeit. Dabei sollte man die Hinweise des Herstellers beachten. Am besten bewahrst du den Handschuh an einem kühlen und trockenen Platz auf. Sollte dein Handschuh einmal nass geworden sein, trocknest du ihn mit einem Tuch ab und lässt ihn dann an der Luft trocknen. Nicht in die Heizung klemmen oder im Ofen trockenen, weil das Leder austrocknen kann! Solltest du deinen Handschuh für eine längere Zeit nicht brauchen, bewahrst du ihn am besten umwickelt auf. Regelmäßig den Handschuh einfetten und lose Schnüre immer gleich ersetzen.
Alex Reinhardt